Ein Kniegelenk-Oberflächenersatz kann eine Herausforderung für den Patienten selbst aber auch für seine Familie und Bekannten darstellen. Hier finden Sie nützliche Informationen, wie Sie die Operation und die Genesungsphase erleichtern können.
Vor der Operation
Die meisten Menschen sträuben sich gegen einen
Kniegelenk-Oberflächenersatz.
Trotz ständiger Knieschmerzen akzeptieren die Betroffenen ihren Zustand
manchmal einfach und finden sich mit einem inaktiven Lebensstil ab.
Manchmal werden sie dann depressiv und realisieren nicht, wie sehr sich
ihr Leben durch die Schmerzen geändert hat.
Wenn dies auf einen Ihrer Bekannten oder Familienangehörigen zutrifft, möchten Sie ihm/ihr sicher helfen. In diesem Fall sollten Sie ihm/ihr zunächst einmal helfen, herauszufinden, wie sich die Knieschmerzen auf sein/ihr Leben auswirken und man eventuell Abhilfe schaffen könnte. Hierbei kann die Beurteilung von Schmerz und Beweglichkeit hilfreich sein. Beantworten Sie die Fragen für Ihren Bekannten/Angehörigen, drucken Sie dann die Ergebnisse aus und verwenden Sie diese als Gesprächsgrundlage.
Was Sie im Krankenhaus brauchen werden
Wenn Sie sich um jemanden
kümmern, der einen Kniegelenk-Oberflächenersatz erhalten wird, werden
Sie wahrscheinlich einige Zeit im Krankenhaus verbringen. Da Sie
vermutlich viel Zeit mit Warten verbringen werden, sollten Sie sich
etwas zum Zeitvertreib mitbringen. Ausserdem wäre eventuell Folgendes
nützlich:
- ein Kissen und eine Decke
- Toilettenartikel (Zahnbürste und Zahncreme, Rasierapparat, Seife, usw.)
- Unterwäsche
- bequeme Schuhe, rutschfeste Hausschuhe und Socken
- gegebenenfalls Ihre eigenen Medikamente
- Brille und/oder Kontaktlinsenbehälter und Lösung
- einen Snack, der sich über längere Zeit hält.
Denken Sie daran, alle notwendigen Unterlagen für den Patienten mitzubringen:
- medizinische Angaben (Liste der zur Zeit eingenommenen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel, Angaben zu Allergien, Erkrankungen, Kontaktdaten für die Ärzte, usw.)
- rechtliche Schriftstücke (Dauervollmacht, Testament, Ausweispapiere für sich und für den Patienten)
- Versicherungsunterlagen
- eine Liste von Telefonnummern für sich selbst und den Patienten. Das Benutzen von Handys ist im Krankenhaus eventuell verboten, da sie medizinische Geräte stören könnten. Erkundigen Sie sich schon vor der Operation und treffen Sie entsprechende Vorkehrungen. Eine Telefonkarte wäre vielleicht die beste Lösung.
Wenn Sie während der Rehabilitationsphase bei Ihrem Angehörigen/Bekannten einziehen möchten, sollten Sie alles Nötige packen:
- Schlafanzug/Nachthemd
- Bademantel
- Hausschuhe
- Toilettenartikel
- Haartrockner
- bequeme Kleidung
- Gürtel
- Socken und Unterwäsche
- zwei Paar Schuhe.
Wenn Sie Urlaub nehmen müssen
Am Anfang der Erholungsphase kann es sein, dass Sie für Ihren
Angehörigen/Bekannten rund um die Uhr verfügbar sein müssen. Wenn Sie
berufstätig sind und Urlaub nehmen müssen, besprechen Sie dies mit Ihrem
Arbeitgeber.
Wichtige Informationen
Denken Sie daran, sich für Rückfragen oder Notfälle die Kontaktdaten des zuständigen Teams zu besorgen. Erfragen Sie diese beim zuständigen Arzt, im Krankenhaus und beim Physiotherapeuten. Erkundigen Sie sich:
- über die Sprechstunden des Arztes
- wie Sie im Notfall vorgehen sollten
- wen Sie ausserhalb der Sprechzeiten anrufen sollten
- wann der Arzt am besten zu erreichen ist
- wen Sie anrufen können, wenn der Arzt/Physiotherapeut nicht erreichbar ist.
Vertraulichkeit der Patientendaten
Alle medizinischen Daten von Patienten sind gesetzlich geschützt. Sie
müssen daher als nächster Angehöriger oder als Hauptbetreuer des
Patienten benannt sein, so dass Sie Fragen über die Operation Ihres
Angehörigen/Bekannten stellen können. Dies sollte in den Wochen vor der
Operation geschehen.
Nach der Operation
Betreuung eines Patienten nach Erhalt eines
Kniegelenk-Oberflächenersatz
Da es eine Weile dauert, bis der Patient nach dem
Kniegelenk-Oberflächenersatz wieder gut beweglich ist, kann es sein, dass
Sie viele wichtige Pflichten übernehmen müssen. Folgende Liste gibt
Ihnen einen Überblick über einige Dinge, bei denen Sie eventuell
behilflich sein können:
- dem Patienten beim Aufstehen, Hinsetzen, Hinlegen und beim Gehen von einem Zimmer zum andern helfen
- dem Patienten helfen, ärztliche Anweisungen zu verstehen und genau zu befolgen
- dem Patienten bei der Körperpflege, beim Anziehen, Essen und Toilettengang helfen
- für den Patienten einkaufen, putzen, kochen und Wäsche waschen
- Termine mit dem Arzt / im Krankenhaus notieren
- den Patienten zum Krankenhaus, Arzt- und Physiotherapiepraxis fahren
- Rezepte in die Apotheke bringen und Arzneimittel holen
- Medikamente verabreichen, Verbände wechseln
- mit Ärzten/Pflegepersonal über mögliche Veränderungen/Probleme sprechen
- finanzielle Verpflichtungen übernehmen (Rechnungen bezahlen, Versicherungssachen klären).
Immer den Bedürfnissen des Patienten gerecht zu werden ist nicht einfach und nimmt Zeit in Anspruch. In den ersten Wochen nach der Operation werden Sie, während Sie Ihrem Angehörigen/Bekannten bei der Erholung von der Operation helfen, weniger Zeit für sich selbst, Ihre Familie und Ihr gesellschaftliches Leben haben.
Gespräche mit dem Ärzte-/Krankenhausteam
- Haben Sie keine Angst, den Operateur oder anderes Krankenhauspersonal anzurufen. Es ist wichtig, dass Sie in Kontakt mit dem Personal bleiben. Fragen zur Operation sollten Sie am besten dem Operateur stellen. Bereiten Sie sich gut auf den Anruf vor, damit Sie die nötigen Informationen erfragen können. Im Folgenden finden Sie einige Tipps:
- Schreiben Sie alle Fragen klar und deutlich vor dem Anruf auf.
- Wenn es bei dem Anruf darum geht, dass sich der Zustand des Patienten geändert hat, notieren Sie die Symptome sowie Tag und Uhrzeit der Veränderung.
- Sie sollten die Liste der Arzneimittel, die Ihr Angehöriger/Bekannter einnimmt, sowie die Angaben zur Krankengeschichte griffbereit haben.
- Machen Sie offene und ehrliche Angaben. Erwähnen Sie auch Dinge, die Ihnen möglicherweise peinlich sind, wie Verstopfung oder Wutanfälle, denn dies könnte wichtig sein.
- Erwähnen Sie alle Komplikationen wie Fieber, Rötungen, Abgang von Schleim/Eiter oder Blutungen im Bereich der Wunde.
Kümmern Sie sich auch um sich selbst
Sie müssen bedenken, dass Sie Ihrem Angehörigen/Bekannten durch eine
schwierige Phase helfen. Der Patient wird nicht immer bei bester Laune
sein, und es kann leicht vorkommen, dass Sie sich gestresst fühlen. Im
Folgenden finden Sie Tipps, die Ihnen in solchen Stresssituationen
helfen können.
- Zählen Sie langsam von eins bis zehn.
- Atmen Sie mehrmals tief durch.
- Gehen Sie kurz spazieren oder einfach in ein anderes Zimmer.
- Rufen Sie einen Freund an.
- Meditieren Sie.
- Hören Sie Musik.
Mit diesen Dingen können Sie vorübergehend Distanz zu den Anforderungen gewinnen und die Lage etwas sachlicher sehen. Dies wird Ihnen helfen, Ihre Reaktionen unter Kontrolle zu halten.
Wenn Sie allerdings völlig überwältigt sind und merken, dass Sie es nicht schaffen, den Stress zu bewältigen, sollten Sie ein Gespräch mit einem Therapeuten in Erwägung ziehen oder versuchen, Unterstützung bei Ihrer Aufgabe zu erhalten.
